Wer sich zum ersten Mal mit IPTV beschäftigt, stolpert innerhalb weniger Minuten über ein halbes Dutzend Abkürzungen. Die meisten davon stammen aus der Videotechnik und werden in Anleitungen als bekannt vorausgesetzt.
Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die tatsächlich vorkommen — jeweils mit dem Hinweis, wann sie im Alltag überhaupt eine Rolle spielen. Es ist zum Nachschlagen gedacht, nicht zum Durchlesen am Stück.
Zugang und Senderlisten
M3U Eine Textdatei, die eine Liste von Streams enthält — Name, Kennung und Adresse pro Sender. Dein Anbieter stellt sie unter einer URL bereit. Der Player lädt sie komplett herunter und zeigt sie als Senderliste an.
M3U8 Dieselbe Idee, nur UTF-8-kodiert. Für Umlaute in Sendernamen ist das der Unterschied zwischen „Südwest” und „Südwest”. In der Praxis werden beide Endungen synonym verwendet.
Xtream Codes Eine Schnittstelle, bei der du Serveradresse, Benutzername und Passwort getrennt einträgst. Der Player fragt damit strukturiert ab, welche Kanäle, welcher Programmführer und welche Abrufinhalte verfügbar sind. Der Vergleich beider Verfahren steht in M3U oder Xtream Codes?
tvg-id Eine Kennung, die jedem Sender in der Liste zugeordnet ist. Sie verbindet den Kanal mit dem passenden Eintrag im Programmführer. Stimmt sie nicht, bleibt der EPG für diesen Sender leer.
Portal / MAC-Adresse Manche Set-Top-Boxen melden sich nicht mit Benutzername und Passwort an, sondern über eine Portal-URL in Verbindung mit ihrer Geräte-MAC-Adresse. Bei einem Gerätewechsel muss diese Adresse neu hinterlegt werden.
Bild und Ton
Auflösung Die Anzahl der Bildpunkte, klassisch als Breite × Höhe: 1280 × 720 (HD), 1920 × 1080 (Full HD), 3840 × 2160 (4K UHD). Sie beschreibt die maximal mögliche Detailmenge — nicht die tatsächliche Bildqualität.
Bitrate Wie viele Daten pro Sekunde für Bild und Ton zur Verfügung stehen, angegeben in Mbit/s. Sie ist der eigentliche Qualitätsregler; ausführlich in Was ist Bitrate?
Codec Das Verfahren, mit dem Video komprimiert und wieder entpackt wird. Verbreitet sind H.264 und das effizientere H.265 (HEVC). Welcher Codec zum Einsatz kommt, entscheidet mit darüber, ob dein Gerät flüssig abspielt.
Hardware-Dekodierung Ein spezialisierter Teil des Chips übernimmt die Videoberechnung. Schnell und sparsam. Das Gegenstück ist die Software-Dekodierung über die allgemeine CPU — funktioniert mit mehr Formaten, kostet aber deutlich mehr Energie.
Interlaced und Progressive Das „i” in 1080i steht für Halbbilder, das „p” in 1080p für Vollbilder. Klassisches Fernsehen sendet oft interlaced, moderne Displays zeigen progressiv. Die Umrechnung dazwischen nennt man Deinterlacing.
HDR Erweiterter Kontrast- und Farbumfang. Fällt visuell oft stärker auf als der Sprung von Full HD auf 4K — braucht aber eine durchgehende Unterstützung von der Quelle bis zum Fernseher.
Programm und Inhalte
EPG Der elektronische Programmführer: laufende und kommende Sendungen pro Kanal, direkt in der App. Ausführlich in Was ist EPG?
XMLTV Das Dateiformat, in dem EPG-Daten üblicherweise geliefert werden. Meist eine eigene URL, getrennt von der Senderliste.
VOD Video on Demand — Filme und Serien, die du jederzeit startest, unabhängig vom Sendeplan.
Catch-up Sendungen der vergangenen Tage nachträglich starten. Setzt voraus, dass der Anbieter das lineare Programm mitschneidet und der EPG die Zeitgrenzen liefert.
Timeshift Innerhalb einer laufenden Sendung zurückspringen, um eine Szene noch einmal zu sehen.
Netzwerk und Übertragung
Unicast Jeder Zuschauer bekommt seinen eigenen Datenstrom. Das ist der Normalfall bei IPTV über das offene Internet — und der Grund, warum jeder laufende Stream Bandbreite belegt.
Multicast Ein Datenstrom wird an viele Empfänger gleichzeitig verteilt. Effizient, aber nur innerhalb eines kontrollierten Netzes möglich, etwa beim IPTV-Angebot eines Netzbetreibers.
Puffer Der Vorrat an Video, den der Player im Arbeitsspeicher vorhält. Er überbrückt kurze Schwankungen der Leitung. Ist er leer, friert das Bild ein.
Latenz Die Verzögerung zwischen Anforderung und Ankunft der Daten. Für die Bildqualität weniger wichtig als für das Gefühl beim Umschalten — und bei Live-Sport für den Abstand zum tatsächlichen Geschehen.
Jitter Schwankungen in der Latenz. Ein Anschluss mit hohem Jitter verursacht Aussetzer, obwohl der Durchschnittswert gut aussieht.
Transcoding Ein Stream wird serverseitig in ein anderes Format oder eine andere Auflösung umgerechnet — etwa, damit ältere Geräte ihn abspielen können. Kostet Rechenleistung beim Anbieter und kann Qualität kosten.
Geräte
Set-Top-Box Ein separates Gerät zwischen Internetanschluss und Fernseher. Bei IPTV heute meist ersetzt durch Streaming-Sticks oder Android-TV-Boxen.
Sideloading Eine App außerhalb des offiziellen Stores installieren. Auf Android und Fire OS vorgesehen, unter iOS nicht. Die Einordnung dazu steht in APK-Sideloading richtig einordnen.
CEC Steuerung mehrerer HDMI-Geräte über eine Fernbedienung. Praktisch, wenn der Stick den Fernseher gleich mit einschaltet.
Begriffe, die oft verwechselt werden
| Häufige Verwechslung | Der Unterschied |
|---|---|
| Auflösung und Bitrate | Auflösung ist die Pixelzahl, Bitrate die Datenmenge pro Sekunde |
| Codec und Container | Der Codec komprimiert das Video, der Container verpackt Bild, Ton und Untertitel |
| Bandbreite und Latenz | Bandbreite ist die Menge, Latenz die Wartezeit |
| EPG und VOD | EPG betrifft lineares Fernsehen, VOD den Abrufkatalog |
| Streaming und IPTV | Streaming ist der Oberbegriff, IPTV steht für lineares Fernsehen darüber |
Wo du weiterliest
Wenn dir beim Einrichten ein Begriff begegnet, den du hier nicht findest, hilft in den meisten Fällen die Einrichtungsseite weiter — sie ordnet die Schritte in der Reihenfolge ein, in der sie tatsächlich vorkommen. Für die technische Grundlage lohnt sich Was ist IPTV?